Hintergrund

Die Idee, einen Nationalpark in Lippe einzurichten, ist nicht neu. Bereits in seiner Sitzung am 03. Mai 1991 fasste der Landtag NRW nach intensiver Debatte den Beschluss zur Ausweisung der Senne als Nationalpark nach Beendigung der militärischen Nutzung. Im Jahr 1997 wurde eine Studie vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlicht, in der unter anderem die Senne und Teile des Teutoburger Waldes zur Ausweisung als Nationalpark empfohlen wurden. In einer weiteren Konkretisierungsphase wurde die eigentliche Senne um Waldgebiete der Egge ergänzt, soweit diese im Eigentum des Landes NRW stehen. Am 14.01.2005 wurde in einer Informationsveranstaltung bei der Bezirksregierung Detmold die Gebietskulisse des Nationalparks Senne-Eggegebirge mit einer Größe von 22.000 ha vorgestellt. Dabei handelte es sich ausschließlich um Flächen der öffentlichen Hand. Die besondere Wertigkeit dieser Flächen sollte in der Standortvielfalt und der Großflächigkeit liegen. Nach nationalem Recht müssen mehr als 50 % einer Nationalparkfläche einer möglichst ungestörten natürlichen Entwicklung überlassen werden. Dieser Anteil war mit Einbindung der Egge in die Gesamtfläche selbst dann zu erreichen, wenn in der Senne Wald und offene Landflächen wegen der militärischen Nutzung für den Prozeßschutz nicht zur Verfügung stehen. Würden die Waldbereiche des Truppenübungsplatzes nach Ende der militärischen Nutzung ebenfalls einer natürlichen Entwicklung überlassen, könnten bis zu 80 % und damit sogar der internationale Standart erreicht werden. Allerdings sind nur 26 % dieser Kulisse als naturnah zu bezeichnen. Der Anteil müsste durch Umbau von Fichtenwäldern im Staatsforst deutlich wachsen.

Letztlich ist dieses Konzept im Jahr 2005 daran gescheitert, dass der unter englischer Verwaltung stehende Truppenübungsplatz Senne von britischen Streitkräften auch für eine Parallelnutzung als Nationalpark nicht freigegeben wurde. Auch eine Nachfolgeüberlegung, die Kulisse als Biosphärenreservat auszuweisen scheiterte im Jahr 2006, weil sich hierüber in der Region kein Konsens herstellen ließ.

Am 18. Juni 2007 hat daraufhin der Kreistag des Kreises Lippe beschlossen, der Landrat solle unverzüglich mit dem Umweltministerium Düsseldorf Verhandlungen aufnehmen mit dem Ziel, einen Nationalpark im Gebiet des Kreises Lippe einzurichten. Von vornherein war klar, dass die Senne wegen der militärischen Nutzung nicht zur Verfügung steht und daher nur der Höhenzug des Teutoburger Waldes zwischen Oerlinghausen und Horn in Betracht kommt. Allerdings erfüllen die in Betracht kommenden Flächen schon von ihrer Größenordnung her nicht die Empfehlung des Bundesamtes für Naturschutz von ca. 8.000 ha zusammenhängender Fläche. Der Kreis Lippe tut sich daher schwer, eine definitive Gebietskulisse zu nennen. Der weit überwiegende Teil der in Betracht kommenden Grundstücke gehört privaten Eigentümern, die keine Bereitschaft signalisiert haben, Flächen zu verkaufen oder anderweitig zur Verfügung zu stellen. Der Teutoburger Wald weist ideale Wuchsbedingungen auf und ist für die Forstwirtschaft das, was die Magdeburger Börde für die Landwirtschaft ist. Die Eigentümer können die Flächen daher sehr erfolgreich bewirtschaften und sehen bereits in den Planungen einen Eingriff in ihre Eigentumsrechte. Die Erzielung eines diesbezüglichen Konsenses scheint nicht denkbar.

Auch die Frage, ob die übrigen fachlichen Kriterien für einen Nationalpark erfüllt sind, ist strittig. In diesem Zusammenhang gibt es kontroverse Ansichten zu der Frage ob es überhaupt sinnvoll ist, im Zeichen des Klimawandels auf eine Nutzung des Rohstoffes Holzes zu verzichten. Holz ist ein klimaneutraler Energieträger und kann andere Werkstoffe, wie z. B. Stahl, substituieren, deren Herstellung sehr energieintensiv ist.

Vom Kreis Lippe bzw. dem Landrat Friedel Heuwinkel werden stets die Chancen für die Region dargestellt. Ein Nationalpark sei eine zugkräftige Marke für die Region und fördere die touristische Entwicklung. So soll eine positive Regionalentwicklung im Bereich des Tourismus eingeleitet werden. Es wird von einem steigenden Freizeit-, Erlebnis- und Erholungswert in Nationalparkregionen ausgegangen, der sich langfristig in höheren Erlösen aus dem Tourismus und damit verflochtenen Wirtschaftsbereichen der Region widerspiegelt. Andere bestreiten dies vehement und sehen die touristische Wertschöpfung eher marginal. Auch über die Bewertung der Zahlen für den Nationalpark Eifel wird intensiv gestritten.

Die regional ansässige Holzindustrie droht in diesem Zusammenhang offen mit Stilllegung bzw. Verlagerung ihrer im Umkreis des Teutoburger Waldes angesiedelten Werke und den Verlust einiger hundert gewerblicher und technischer Arbeitsplätze, wenn eine ausreichende ortsnahe Belieferung mit Holz nicht mehr möglich sein sollte.

Die Bezirksgruppe Lippe des Waldbauernverbandes NRW hat es sich um Ziel gesetzt, die zum Teil sehr emotional geführte Debatte über einen Nationalpark in Lippe zu versachlichen. Hierzu wurde eine Informationsveranstaltung am 05. Juli 2008 im Kurtheater Bad Meinberg abgehalten. Das Ergebnis dieser Veranstaltung wird Ihnen auf der folgenden Seite präsentiert. Hier können Sie die einzelnen Beiträge abrufen und sich selbst eine Meinung hierzu bilden.